Fachkolumne

Mehr Klarheit bitte!

Mehr Klarheit bitte!

Nehmen Sie sich kurz Zeit und lassen sich zu einem Gedankenexperiment entführen: Gibt es zwischen der Beziehung von Kindern zu Eltern und der Beziehung von MitarbeiterInnen zu Vorgesetzten Parallelen? Oder ist dieser Vergleich vollkommen absurd?

Für diesen Vergleich beziehe ich mich auf einen vor kurzem erschienen Artikel im DER STANDARD mit folgender Überschrift: Kinder brauchen starke und klare Eltern.

Nachfolgend ein kurzer Auszug aus diesem Blog:

Kinder brauchen Regeln und Klarheit. Es ist wichtig (…) zu wissen, was von ihnen erwartet wird. Sie brauchen Reaktionen auf ihre Handlungen und Antworten darauf, wie und unter welchen Bedingungen ein Miteinander funktionieren kann. Kinder haben ein Recht darauf, dass Erwachsene (…) in ihrer Klarheit Aussagen treffen, die natürlicherweise nicht immer Gefallen finden.

Stellen wir uns vor, wir setzen in diesem Absatz MitarbeiterInnen den Kindern und Vorgesetzte den Eltern gleich. Treffen die Aussagen dann noch immer zu? Ich finde ja!

Kinder brauchen Regeln und Klarheit.

Auch MitarbeiterInnen brauchen Regeln und Klarheit. Niemand kann konstruktiv arbeiten, wenn firmeninterne „Spielregeln“, z.B. Organigramm, hierarchische Strukturen, Verantwortlichkeiten, usw. unbekannt sind. Klarheit in der Firmenstruktur schafft Vertrauen und Sicherheit.

Sie brauchen Reaktionen auf ihre Handlungen und Antworten darauf, wie und unter welchen Bedingungen ein Miteinander funktionieren kann.

Wie sieht es mit Reaktionen und Antworten auf Handlungen der MitarbeiterInnen aus? Seien wir ehrlich, jede/r von uns wünscht sich Feedback – und es muss nicht einmal immer positiv sein. Es geht doch eigentlich nur darum, eine Reaktion auf sein Tun zu erhalten, wahrgenommen zu werden, im besten Fall sogar gelobt zu werden. Hier liegt ganz klar die Verantwortung bei den Vorgesetzten – jährliche MitarbeiterInnengespräche sind zu wenig, sie können maximal als Ergänzung betrachtet werden. Vorgesetzte sollten zu jedem Zeitpunkt wissen, wie es ihren MitarbeiterInnen geht, wie die Stimmung im Team ist. MitarbeiterInnen sollten im Gegenzug zu jeder Zeit wissen, dass sie die Möglichkeit haben Feedback zu geben und bei wem sie diese Möglichkeit haben – ohne Angst vor negativen Konsequenzen. Wie bereits erwähnt: Klarheit in der Firmenstruktur schafft Vertrauen und Sicherheit.

Kinder haben ein Recht darauf, dass Erwachsene (…) in ihrer Klarheit Aussagen treffen, die natürlicherweise nicht immer Gefallen finden.

Sollten auch Vorgesetzte in ihrer Klarheit Aussagen treffen, die natürlicherweise nicht immer Gefallen finden? Auf alle Fälle! Vorgesetzte sollten nicht versuchen „everybodies darling“ zu sein. Wichtig ist, dass sie selbstreflektiert getroffene Entscheidungen auch als Fehlentscheidung bewerten können, denn nicht nur für Kinder ist es wünschenswert (…), dass sie in der Erziehung liebevollen Eltern und Bezugspersonen begegnen, die in sich und ihre Fähigkeiten vertrauen, sich trauen, auch Fehler zu machen, und nicht perfekt sein wollen.

Grundsätzlich geht es bei beiden Konstellationen um die Beziehung zwischen Menschen in unterschiedlichen Machtpositionen. Und so überlasse ich Voltaire das letzte Wort: „Nicht die Ungleichheit ist das wirkliche Übel, sondern die Abhängigkeiten.“

Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000111905502/kinder-brauchen-starke-und-klare-eltern

Edda Mühlbacher

Katharina StadlerMehr Klarheit bitte!